Rund 15 DemonstrantInnen haben am gestrigen Samstag auf dem »Hessentag« in Stadtallendorf gegen einen riesigen Werbestand der Bundeswehr protestiert. Mit Panzern, Helikoptern, Raketenwerfern und Vorführungen der Feldjäger versuchte die Bundeswehr dort Jugendliche als Kanonenfutter für ihre Kriege zu gewinnen.
Eine Gruppe mit einem Transparent mit der Aufschrift »Keinen Menschen und keinen Cent der Bundeswehr«, die sich direkt vor dem sogenannten »Karrieretruck« der Bundeswehr postierte, wurde innerhalb kürzester Zeit von etwa zehn Feldjägern angegriffen und vom Platz gedrängt. Angeblich besaß die Bundeswehr das Hausrecht für den gesamten Parkplatz des Stadtallendorfer Rathauses. »Selbst wenn dies der Wahrheit entspricht, haben Feldjäger in „Friedenszeiten“ dennoch kein Recht, gegen Zivilisten vorzugehen. Die ebenfalls anwesende Polizei schritt aber nicht ein«, kritisiert die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), die sich an der Protestaktion beteiligt hatte. »Vielleicht befindet sich Deutschland aber doch schon nicht mehr nur „umgangssprachlich“ im Krieg. Dies würde dann auch erklären, warum die Militärpolizei und nicht mehr die Polizei für die Sicherheit auf Veranstaltungen wie dem Hessentag die Verantwortung trägt.«
Nach dem Angriff durch die Feldjäger formierten sich die AntimilitaristInnen zu einer Spontandemonstration zu einem weiteren Bundeswehrstand auf dem Hessentag, dessen Aufmachung mehr an ein Feldlager in Afghanistan erinnerte. Dort fand die Demo dann ihren friedlichen Abschluss.
Die Aktion war der hessenweite Abschluss der Kampagne »Keinen Menschen und keinen Cent – keinen Fußbreit der Bundeswehr«, mit der die SDAJ seit Januar gegen die zunehmenden Werbeveranstaltungen der Bundeswehr in Arbeitsagenturen, auf Messen und in Schulen protestierte. Außerdem richtete sich die Aktion auch gegen Planungen der hessischen Landesregierung, wonach das Kultusministerium mit der Bundeswehr in absehbarer Zeit eine Kooperationsvereinbarung abschließen soll. Danach darf die Bundeswehr bald völlig unabhängig von der Meinung der jeweiligen Schulleitung, Lehrern und Schülern regelmäßig in Schulen für ihre Kriegseinsätze werben. Auch die Fortbildung von LehrerInnen und das Einbringen von Lehrmaterialien in den gewöhnlichen Schulunterricht ist ihr dann problemlos möglich.

Die Neutralität der Schulbildung wird verletzt«, kritisierte Erik Schneider von der unabhängigen Schülergruppe »Klassenkampf Süd-West« am Freitag den Besuch eines ehemaligen Marineoffiziers am Berliner Schadow-Gymnasium. Der Auftritt fand im Rahmen eines Berufsorientierungstages statt. Dagegen protestierten vor der Schule etwa 100 Mitglieder von Friedensgruppen, Parteien und Gewerkschaften.
Mitglieder der DKP-Jugendorganisation SDAJ haben am Wochenende gegen die massive Präsenz der Bundeswehr auf einer Berufsbildungsmesse in München protestiert. Etwa 20 Aktivisten wandten sich mit Transparenten gegen den Einsatz in Afghanistan und die Selbstdarstellung der Truppe als »normaler Arbeitgeber«. Sicherheitskräfte und Polizisten drängten die Demonstranten jedoch umgehend aus den Ausstellungsräumen und erteilten Hausverbote, weshalb die Jugendlichen die Plakate vor dem Messegelände zeigten. Die Aktion war Teil einer bundesweiten Kampagne der SDAJ gegen die Präsenz des Militärs auf Berufsbildungsmessen, Schulhöfen und in Klassenzimmern.
Im Rahmen der »Euregio Wirtschaftsschau« in Aachen stellte sich, neben vielen Unternehmen aus der Region, auch die Bundeswehr vor. Sie warb mit militärischem Gerät, Hochglanzbroschüren und einem Quiz um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen. Nachdem sie die erst einmal gewonnen hatten, erzählten sie den Jugendlichen, wie aufregend der Job bei der Bundeswehr sei, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten wenn sie sich verpflichten, wieviel Geld sie bekommen und dass sie nur mit modernster Technik arbeiten werden. Dabei fiel kein Wort zur eingeschränkten persönlichen Freiheit, zum Leben in einer abgeschotteten Welt oder den Risiken eines Auslandseinsatzes, der mit der Verpflichtung verknüpft ist. Soldaten leben nach Befehl und Gehorsam statt frei und selbstbestimmt. Die Bundeswehr nutzt gezielt den Ausbildungsplatzmangel in der freien Wirtschaft aus und präsentiert sich als »Retter« in der Notsituation, »Karriere mit Zukunft« ist dabei ihr Leitsatz.

